Fachartikel · Der Mittelstand 5/2013 · ergänzt 2026
Dem Burnout gegensteuern
Gezielte Prävention zahlt sich gerade für Mittelständler aus. Mit aktuellen Zahlen zu Burnout-Krankschreibungen bis 2025.
Carsten Rahe · Rahe Management Consultants · Karlstraße 8 · 44575 Castrop-Rauxel
Vollständigen Artikel als PDF herunterladen
Artiel · 1 Seite · PDF, ca. 0,7 MB · Stand 3. Oktober 2026
Erstveröffentlichung: Carsten Rahe: Dem Burnout gegensteuern. In: Der Mittelstand. Das Unternehmermagazin, Ausgabe 5/2013 (Oktober/November), Rubrik Service, Themenschwerpunkt „Mittelstand und Gesundheit“, Seite 41. Wiedergabe des Originaltextes; die Schreibweise von „Burnout-Risiko“ wurde vereinheitlicht. Die Angaben stammen aus dem Jahr 2013.
01
Der Artikel von 2013
Mitarbeiter, die am meisten für ihr Unternehmen brennen, oft genau die Leistungsträger und Führungskräfte, die für die Firma so wichtig sind, sind am häufigsten von Burnout betroffen.
Doch was bedeutet dies aus der Sicht des Unternehmens?
Wird bei einem Mitarbeiter eine psychische Erkrankung wie Burnout festgestellt, so heißt das häufig, dass er schon Monate zuvor nicht mehr so leistungsfähig und belastbar war. Ein Burnout-Entstehungsprozess zieht sich oft über Monate oder Jahre. Bis zur Feststellung der Erkrankung spricht man von einer Minderleistung von bis zu vierzig Prozent gegenüber gesunden Kollegen. Neben dem finanziellen Aspekt der Minderleistung und der Entgeltfortzahlung während der ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit stellt sich die Frage: Welche Kosten kommen nach der Genesung auf das Unternehmen zu?
Je nachdem, ob der genesene Mitarbeiter eine stufenweise Wiedereingliederung macht, oder das Arbeitsverhältnis arbeitnehmer- oder arbeitgeberseitig endet, entstehen dem Unternehmen direkte und indirekte Kosten (Gerichts-, Abfindungs-, Rekrutierungs-, Einarbeitungs-, Umzugs- und Minderleistungskosten etc.). Eine genaue Quantifizierung ist schwierig, erfahrungsgemäß können die Gesamtkosten zwischen 90 und 320 Prozent des jeweiligen Jahresgehalts liegen. Diese Dimensionen machen den Handlungsbedarf für Unternehmen deutlich, frühzeitig gegenzusteuern.
Vorbeugende Maßnahmen, ein gutes Gesundheitsmanagement, Führungskräfteschulungen, besonders auch im Hinblick auf Work-Life-Balance und Wertschätzung sowie Mitarbeitergespräche in geregelten Abständen können helfen, das Risiko einzudämmen. Auch gibt es psychologische Screenings, die in Firmen durchgeführt werden können, um das Burnout-Risiko bei den Führungskräften abschätzen zu können.
Oft ist der finanzielle Aspekt beim Thema Burnout mittlerweile das geringere Problem. Für Unternehmen mit negativem Arbeitgeber-Image wird es immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu binden.
Carsten Rahe, Rahe Management Consultants, www.rahe-consultants.com
02
Burnout-Diagnosen: Was die Zahlen heute zeigen
Seit dem Artikel hat sich die Häufigkeit von Krankschreibungen mit Burnout-Diagnose deutlich erhöht. Nach Daten der AOK, die Statista aufbereitet, gab es 2013 durchschnittlich 4,4 Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen Burnout je 1.000 AOK-Mitglieder. 2023 waren es 7,7, also rund 75 Prozent mehr. Gegenüber 2004 mit 0,6 Fällen ist es mehr als das Zwölffache. Der Anstieg setzt sich in den neuesten Zahlen fort (siehe unten).

Neuere Werte: Fehlzeiten-Report 2026
Das WIdO, das Wissenschaftliche Institut der AOK, hat im Oktober 2026 den Fehlzeiten-Report 2026 veröffentlicht. Er enthält Daten bis 2025. Für 2025 meldet die AOK 19,5 Ausfalltage je 100 Mitglieder aufgrund von Burnout-Diagnosen. 2016 waren es 11,0. Das ist ein Anstieg von rund 77 Prozent.

Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder (Skala bis 20). Diese Auswertung zählt Ausfalltage und nicht Fälle; sie lässt sich daher nicht direkt mit dem Diagramm oben vergleichen. * Umgerechnet aus 174,8 Tagen je 1.000 Mitglieder (Statista, siehe oben). ** Zusammenfassungen nennen für 2024 rund 18,4 bis 18,6 Tage; der endgültige Wert wird teils als 186,0 Tage je 1.000 Mitglieder angegeben. Quelle: WIdO, Fehlzeiten-Report 2026 (Oktober 2026), nach Berichterstattung der Pharmazeutischen Zeitung vom 12. Oktober 2026.
7,7
Krankschreibungen wegen Burnout je 1.000 AOK-Mitglieder im Jahr 2023 (2013: 4,4)
19,5
Ausfalltage wegen Burnout je 100 AOK-Mitglieder im Jahr 2025, rund 77 Prozent mehr als 2016 (Fehlzeiten-Report 2026)
ca. 186.000
Betroffene und 4,7 Mio. Krankheitstage 2023, hochgerechnet auf alle gesetzlich krankenversicherten Beschäftigten (Angabe von Statista)
03
Einordnung: Was das für Unternehmen bedeutet
Für Positionen mit vielen Bewerbungen und klar beschreibbaren Anforderungen, etwa in Verwaltung, Service, Vertrieb im Innendienst oder in gewerblichen Berufen, kann KI-Unterstützung wirtschaftlich sinnvoll sein. Wir halten sie für vertretbar, wenn sechs Bedingungen erfüllt sind. Es sind unsere Praxiskriterien, keine empirisch abgeleiteten Schwellen.
Die Kernaussage des Artikels ist aktuell geblieben. Nach unserer Erfahrung bahnt sich Burnout über Monate an und trifft häufig Leistungsträger und Führungskräfte. Die Statistik belegt das nicht, denn sie nennt keine Positionen oder Berufsgruppen. Sie zeigt aber, dass Burnout in den Krankenstatistiken deutlich häufiger auftaucht als 2013. Wer früh gegensteuert, schützt die Betroffenen und das Unternehmen.
Bei der Lektüre der Zahlen sollten Sie drei Dinge beachten:
01
Gezählt wird die Diagnosehäufigkeit, nicht die Zahl der Erkrankten. Mehr Aufmerksamkeit für das Thema und die Art der Kodierung können den Anstieg mitbestimmen. Burnout wurde bisher unter Z73 („Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“) kodiert. Die ICD-11, die seit dem 1. Januar 2022 gilt, beschreibt es als Syndrom aufgrund von Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann (Angabe von Statista).
02
Die Daten stammen von der AOK. Sie gelten für deren Mitglieder und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Beschäftigten übertragen. Die Hochrechnung auf alle gesetzlich Krankenversicherten stammt von Statista. Die Fälle (Statista) und die Ausfalltage (Fehlzeiten-Report 2026) sind unterschiedliche Kennzahlen.
03
Die Kostenspanne von 90 bis 320 Prozent des Jahresgehalts im Artikel ist ein Erfahrungswert aus dem Jahr 2013. Sie ist nicht aus der Statistik abgeleitet und wurde nicht neu berechnet.
Was Unternehmen tun können
Die Maßnahmen aus dem Artikel gelten weiter:
01
Gesundheitsmanagement mit vorbeugenden Maßnahmen, die zum Unternehmen passen.
02
Führungskräfteschulungen, besonders zu Work-Life-Balance und Wertschätzung.
03
Mitarbeitergespräche in geregelten Abständen, damit Überlastung früh zur Sprache kommt.
04
Psychologische Screenings, um das Burnout-Risiko bei Führungskräften abzuschätzen.
Der Beitrag gibt den Stand und die Erfahrungen des Autors wieder und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.
05
Quellen
- Rahe, Carsten: Dem Burnout gegensteuern. Gezielte Prävention zahlt sich gerade für Mittelständler aus. In: Der Mittelstand. Das Unternehmermagazin, Nr. 5/2013 (Oktober/November 2013), Rubrik Service, S. 41.
- Statista Research Department: Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund von Burn-out-Erkrankungen in Deutschland in den Jahren 2004 bis 2023 (je 1.000 AOK-Mitglieder). Stand 24. Februar 2025; Herkunftsverweis: Fehlzeiten-Report 2024, Seite 403. de.statista.com (abgerufen am 21. Oktober 2026).
- Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO): Fehlzeiten-Report 2026, Oktober 2026 (Burnout-bedingte Ausfalltage 2016 und 2025). Zitiert nach: Pharmazeutische Zeitung, „Fehlzeiten-Report der AOK: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen“, 12. Oktober 2026. pharmazeutische-zeitung.de (abgerufen am 21. Oktober 2026). Die Werte 2023 und 2024 sind Umrechnungen bzw. Angaben aus Zusammenfassungen (siehe Fußnoten).
Carsten Rahe, Inhaber und Geschäftsführer, Rahe Management Consultants
jetzt anfragen
Fragen zu Führung und Belastung in Ihrem Unternehmen?
Wir besprechen gern, wie sich Führungskräfte stärken und Risiken früh erkennen lassen.

